Ableismus
Tag 17
Ableismus
Ableismus (vom englischen “to be able” - fähig) beginnt nicht bei offener Ablehnung.
Er beginnt viel früher.
In der stillen Annahme, dass bestimmte Körper, Wahrnehmungen und Leistungsformen „normal“ sind.
Und alles, was davon abweicht, erklärt, rechtfertigt oder angepasst werden muss.
Ableismus zeigt sich selten laut.
Er steckt in Erwartungen im Job.
In Meetings ohne Untertitel.
In Büros ohne Rückzugsräume.
In Prozessen, die sagen: So funktioniert es hier eben.
Nicht, weil einzelne Menschen böse sind.
Sondern weil unsere Gesellschaft so gebaut ist.
Genau das meint der Satz:
Ableismus steckt im System.
frei übersetzt aus „Society is inherently ableist“ (Unlearning Ableism)
Im Digitalen sehen wir das besonders deutlich:
Wenn Technik als Lösung gefeiert wird, ohne zu fragen, für wen sie funktioniert.
Wenn Effizienz wichtiger ist als Verständlichkeit.
Wenn Automatisierung Menschen ausschließt, statt Barrieren abzubauen.
Ableismus endet nicht durch gute Absichten.
Er endet, wenn wir Verantwortung übernehmen.
Konkret heißt das:
Sprache prüfen – nicht aus Perfektionismus, sondern aus Haltung.
Prozesse hinterfragen – wer kommt hier nicht mit?
Betroffene einbeziehen – nicht symbolisch, sondern wirksam.
Ableismus zu verlernen ist kein einmaliger Aha-Moment.
Es ist ein fortlaufender Prozess.
Unbequem. Notwendig. Verändernd.